Zimmermädchen? Erzähl das bloß keinem! – Oder auch: Die Sache mit der Leistungsgesellschaft

Vorweg: Das ist mal ein anderer Eintrag.

Ich liebe meine Familie aber manchmal…geht mir diese Sache doch schon ziemlich gegen Strich.

Bevor ich mit dem eigentlichen Thema anfange: Ich bin 23. Bis ich 20 war, habe ich mit meiner Mum und meiner Schwester in einem Haus in einem Dorf gelebt. Unser Haus besteht aus einem rießigen Keller, im Erdgeschoss findet man 4 Räume – darunter die Küche und ein Bad. Im Obergeschoss sind ebenfalls 4 Räume: Mein Zimmer,Brinas Zimmer,Mamas Zimmer und noch ein Bad mit Dusche und Wanne. Dazu kommt ein großer Garten mit Pool.

2014 hab ich dann meine Ausbildung zur Kinderpflegerin beendet und bin zu meinem Freund nach Brandenburg gezogen. Wir wohnen in einer Stadt, in einer 50qm Wohnung. Kein Balkon,kleine Küche,enges Bad. Im selben Jahr begann ich dann meine Erziherausbildung, musste diese allerdings aufgrund einer Krankheit abbrechen. Nun bin ich Zimmermädchen in einem Hotel und arbeite für den Mindestlohn.

Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß (was ich nicht gedacht hätte) und auch mein Freund steht hinter mir und meiner Arbeit. Aber was wird meine Familie darüber denken?
Putzen ist eine ganz normale Arbeit, nichts wofür man sich schämen muss. Was wären die Betriebe oder auch Hotels ohne die Reinigungskräfte? Und ich finde doch solange eine Arbeit Spaß macht und ich meine Kosten abdecken kann – was solls.

Dann wird es kein Familienfest geben! 

Nun zum eigentlichen Thema:
Als ich den Job hatte, rief ich also überglücklich meine Mutter an und erzählte ihr voller Stolz das ich Zimmermädchen in einem Hotel bin und nun endlich auch mal mein eigenes Geld verdiene, wir uns eine schönere Wohnung suchen können und und und.
Ihre Reaktion war anders als erhoffte. Ich wurde von einem energischen „Was, du tust putzen? Willst du immer die Scheiße von den anderen weg machen“ unterbrochen. Ich seh mich an dem Punkt mich für meine Entscheidungen zu rechtfertigen. Das hörte sich ungefähr so an: Ja und die Arbeit macht mir Spaß – Und wie viel verdienst du? – Mindestlohn. – Aber das reicht doch nicht!!!!- Doch Mama,mir reicht es. Wir haben ne schöne Wohnung und ich hab genug Kohle für mich. Für Hobby bspw und so. – Aber das is doch nix. Willst du das bis zur Rente machen? Denk doch auch mal an die Rente, das reicht nicht!!- Mama, wir leben im hier und jetzt und mir geht es damit gut. – … bla bla bla. Ihr versteht.

*Ich habe nichts gegen Sparmaßnahmen und pflege mein Konto sehr gut. Aber dieses futuristische ständig…

Ein anderes Gespräch verlief so (zwischen den Gesprächen liegen ca 3 Monate) : (an Weihnachten trifft sich immer die ganze Familie und meine Tante ist 30,arbeitet nicht,tut auch sonst nichts,wäre aber definitiv in der Verfassung etwas zu tun) [bla bla..] und wenn mich jemand fragt was ich arbeite,werde ich ganz stolz erzählen das ich Zimmermädchen bin! – Dann wird es kein Familienfest geben. – Autsch…

Auf die nachfrage ob sie sich dafür schäme kam ein: ,,Du hast so viel gelernt. Ich gedacht du machst mehr aus deinem Leben/Ich hätte mir gewünscht das du es mal leichter hast.“

Solche und ähnliche Gespräche führe ich ständig, neben einem „Im Westen verdient man mehr“ – Thema usw. Vielleicht liegt es auch teils daran das sie schon immer im Dorf gelebt, was ich weiß ist jedenfall das wir am Ende nur eine Nummer im Leichenhaus sind und wir unser Leben so leben sollten,wie es uns gefällt. Denn etwas anderes bleibt nicht.

Nehmt den Beitrag nicht zu kritisch 😉
Ich hatte das Bedürfnis diese Erfahrung zu teilen.

Eure Jule!

4 Gedanken zu “Zimmermädchen? Erzähl das bloß keinem! – Oder auch: Die Sache mit der Leistungsgesellschaft

  1. Liebe Jule, ich finde dass du stolz auf dich sein kannst. Denn es ist viel wichtiger, das zu machen, was einen selbst glücklich macht, als das, was andere von einem erwarten!
    Liebe Grüße,
    Myriam

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    • Liebe Myriam, vielen Dank für deinen lieben und motivierenden Kommentar! Ich finde es nicht immer leicht auf sich selbst zu achten. Tatsächlich bin ich im Moment dabei zu lernen mehr auf mich selbst zu schauen und ich werde mein bestes geben. 🙂
      Danke dafür ^^
      Liebe Grüße,
      Jule

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      • Mir scheint es, als klappt das gar nicht schlecht! 🙂 schließlich ist es ein großer Schritt in Sachen Selbstachtung, dass man für sich selbst eintritt – und das tust du mit deinen Worten 🙂 ich wünsche dir, dass es genauso positiv weitergeht!

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